Foto: Uschi Fellner



Wenn die Rede auf die Provenienz einer Arbeit kommt, ist es für den Eigentümer von Vorteil, wenn er sagen kann, er habe eben diese vom Künstler selbst erworben. Dieser Gedanke kommt mir nicht nur, weil die hier vorgestellte Künstlerin einige Jahre in der renommierten Galerie Hans Mayer in Düsseldorf gearbeitet hat, sondern weil ich eine Malerin beschreibe, die, wie es scheint, über Jahre hinweg vielerlei Gelegenheiten wahrgenommen hat, um sich von der Malerei zu entfernen, ohne jedoch aufzuhören eine Malerin zu sein. Ob diese Vermutung richtig ist? Handelt es sich hier um ein Paradoxon? Vielleicht. Doch finde ich, der ich selbst Maler bin, es durchaus legitim, sich vom künstlerischen Schaffen, das wie im vorliegenden Fall Ausgangspunkt war, was das Studium der Malerin belegt, zu entfernen, um sich ihm zu einem anderen Zeitpunkt wieder anzunähern, und dies mit einer Intensität, die andere, von einer künstlerischen Laufbahn unabhängige Lebenserfahrungen und diverse, in gewissem Widerspruch zur künstlerischen Arbeit stehende berufliche Eindrücke vielleicht erst hervorgerufen und ermöglicht haben.

Wer ist diese Künstlerin, wer ist schaP? Wir haben es hier mit einem Menschen zu tun, der ausschließlich über sein Werk mit uns kommunizieren möchte, er wählt daher auch ein Pseudonym. Die Person, die ich beschreiben möchte, ist als Geschäftsfrau - Aufbau einer eigenen Firma, Arbeit in einem Familienbetrieb etc. - bekannt, nicht in Erscheinung getreten ist sie hingegen bislang als Malerin. Ihre Bescheidenheit verbietet es ihr, einen Bonus zu beanspruchen, der sich aus ihrer anderen Welt und ihren anderen Tätigkeiten ergeben könnte, des Weiteren rät ihr die Intuition zu einem Künstlernamen, um ihr Werk schätzen zu können.

Die Malerin absolvierte ein Kunststudium an der Universität Köln, und zwar bei Professor Gisbert Tönnis und Professor Dieter Kraemer; das Thema ihrer Abschlussarbeit lautete: Plastische Formen in der Natur.

Anfangs sprach ich von der Provenienz einer Arbeit, nun spreche ich von der Identität einer Künstlerin, was schwierig ist, da ich wesentliche Stationen ihres Lebens nur beiläufig erwähnen kann und darf, um eben ihre Identität nicht preiszugegeben. Ein Ausweg aus diesem Dilemma wäre, einfach einige Momente authentischen Arbeitens zu schildern - Arbeitssituationen, deren Zeuge ich war. Auffällig war, wie ich bemerkte, eine hohe Konzentration, eine Unermüdlichkeit, ein tatsächliches Ringen um Ausdruck, ein souveräner Umgang mit Farbe. Die Themen: scheinbar einfach, verblüffend einfach; hier der Kopf eines Hundes, allerdings überdimensioniert und kühn in Szene gesetzt vermittels ganz eigener, sich vorwiegend im Ausschnitt vollziehender Komposition, da eine große Möwe, ein Adler, ein Fisch: die Malerin vermeidet hierbei jedes Klischee - bewusst oder unbewusst, meisterlich. Als Maler lernt man den anderen Maler am besten kennen, nähert sich ihm auf eine treffliche Weise, indem man ihm beim Arbeiten zuschaut. Der Malvorgang lässt wenig Fragen offen, die ganze künstlerische Persönlichkeit gibt sich während eines Malprozesses zu erkennen. Diese Malerin, das kann ich sagen, sucht die Wahrhaftigkeit im Unspektakulären, definiert, betont, umschreibt die Seele der Kreatur, sucht das Stille innerhalb einer lauten Welt - ja, es kommt mir vor, als wolle sie die Stille selbst beschreiben. Es mag absurd klingen oder als unerheblich empfunden werden, aber eines fiel mir sofort auf: diese Künstlerin verwendet Öl ohne Zuhilfenahme jedweder Malmittel, und doch ist ihr Duktus geschmeidig, treffsicher ist er sowieso. Nass-in-Nass-Malerei ohne Terpentin, eigentlich ein Unding, zumindest eine schwere Übung, in jedem Fall symbolhaft für die Unkonventionalität dieser Malerin: Alles Weitere wird sich aus der Beschäftigung mit dem Werk dieser Künstlerin ergeben - langweilig wird dies ganz gewiss nicht.

Detlev Foth, Maler
foth-malerei.com